Ruhestand:Borromäerinnen verlassen Haus Elisabeth

Nach 155 Jahren in Bonn und 65 Jahren in Haus Elisabeth kehren die Schwestern in ihr Mutterhaus nach Trier zurück.
Sr. Siglinde, Sr. Eventia, Sr. Willigis, Sr. Aurelia, Sr. Marietta (v.l.)
Sr. Siglinde, Sr. Eventia, Sr. Willigis, Sr. Aurelia, Sr. Marietta (v.l.)
Datum:
27. Mai 2021
Von:
Clemens Pflüger

Pfingsten 2021 endete die 155-jährige Zusammenarbeit des Ordens der Borromäerinnen und der Stadt Bonn. Über ein Jahrhundert lang haben die Ordensfrauen mit Mutterhaus in Trier ihre Dienste der Stadt Bonn zur Unterstützung und Versorgung alter, kranker und hilfebedürftiger Bonner Bürger*innen zur Verfügung gestellt – zuerst in einer Einrichtung in der Kölnstraße und ab 1956 im neugebauten „Haus Elisabeth“ auf dem Venusberg. 

Abschiedsgottesdienst

Verabschiedung im Gottesdienst
Verabschiedung im Gottesdienst

Aus Altersgründen gehen die Borromäerinnen zurück in ihr Mutterhaus nach Trier. Am 17. Mai haben wir sie in einem feierlichen Gottesdienst verabschiedet. Unvergessen bleibt ihr pastorales und seelsorgliches Wirken für das ganze Haus. Sie waren wirklich in Gebet und Caritas die Seele des Hauses, und die von Ihnen betreute Kapelle ist nicht nur für die Bewohner und Bewohnerinnern Heimat geworden.

Die Anfangszeit in der Kölnstraße

Am 20. August 1866 kamen auf Bitte des damaligen Oberbürgermeisters Leopold Kaufmann drei Schwestern aus Trier nach Bonn, um die Pflege an alten, kranken und hilfsbedürftigen Menschen zu übernehmen.

Die Stadt Bonn hatte in der Kölnstraße ein größeres Grundstück mit einem Haus gekauft und richtete dort ein „Not- und Hilfshospital“ ein. Mit der Übernahme dortiger Aufgaben wurden die Schwestern aus Trier beauftragt, die zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre erfolgreich im Bonner Sankt Johannes Hospital tätig waren.

Die Chronik erzählt: "Am 20. August 1866 trafen aus dem Trierer Mutterhaus drei Schwestern ein und wurden von dem Oberbürgermeister Kaufmann und dem Beigeordneten Eller am Bahnhof empfangen und in die Anstalt geleitet.“ Auch zwei Krankenschwestern aus dem Sankt Johannes Hospital wurden dem kleinen Konvent in der Kölnstraße zugeordnet.

Die Aufgaben der Ordensschwestern waren in den folgenden Jahren vielseitig, entsprechend den Nöten der damaligen Zeit. Wiederholt brachen Epidemien und Krankheiten wie Pocken, Cholera, Diphterie, Scharlach, Lungenschwindsucht aus.

Das Haus in der Kölnstraße wurde bald zu einer Oase für alleinstehende, alte, kranke und hilfsbedürftige Menschen. Mit den Ordensschwestern bildeten sie eine Familie. Jeder half mit, um für den täglichen Unterhalt und Bedarf einen Beitrag zu leisten. Seinerzeit gab es keine besonderen staatlichen Mittel oder Unterstützungen.

In der Stadt Bonn gab es viel Hunger und Not, was der Grund war, dass die Schwestern auch gerne die Führung der städtischen Suppenküche in der Engeltalstrasse übernahmen, wo die „Stadtarmen“ beköstigt wurden. Die Chronik erzählt, dass arme Leute der Stadt, Tagelöhner, Frauen, Männer und Kinder täglich zur Suppenküche kamen. Ein Teller Suppe kostete zehn Pfennige, ein Würstchen ebenfalls zehn Pfennige. Wer konnte, hat das bezahlt.

Auszüge aus der Chronik seit 1870

  • Ab 1870 wurden in der Kölnstraße im Laufe der Jahre verschiedene Neu- und Erweiterungsbauten errichtet.
  • Im Jahre 1908 bekam die Einrichtung die Bezeichnung „Städtisches Pflegehaus“.
  • 1912 wurden auch 90 Kinder in der Einrichtung untergebracht, so dass die Institution den Zwecken der Städtischen Kranken-, Siechen- und Waisenpflege diente. Immer wieder erzählt die Chronik, dass sich die Schwestern den wachsenden Aufgaben mit großem Engagement stellten.
  • Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde das „Städtische Pflegehaus“ in ein Lazarett umgewandelt. Unbeschreiblich, wie viel körperliches und seelisches Leid zu lindern war.
  • Die Chronik berichtet: „1919, nach Kriegsende, wurden die Kinder verlegt. Das Land und das Volk wurde durch die Inflation heimgesucht.“ Die Bonner Bevölkerung hatte „ein großes Herz“ für die hilfsbedürftigen Menschen im Städtischen Pflegehaus und immer wieder kamen Spenden, Hilfsangebote und tatkräftige, finanzielle Unterstützung um Erweiterungsbauten durchzuführen, die durch die Zunahme der sozialen Aufgaben notwendig wurden.
  • Eine schwere Zeit begann erneut, als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach. Oft suchten die Schwestern mit dem Personal und ihren Pflegebefohlenen Schutz in Luftschutzräumen, litten unter dem Bombenhagel, der über der Stadt niederging. Zeit des Schreckens, Zeit der Not und Entbehrung und der Solidarität mit der Bonner Bevölkerung.
  • Es kamen Kriegsgefangene nach Bonn. Auch ihnen wurde geholfen. Die Schwestern betreuten sie in der städtischen Suppenküche.
  • Ein französischer Kriegsgefangener schnitzte aus Dankbarkeit ein großes Kreuz und schenkte es den Schwestern. Dieses Kreuz hängt heute noch im Treppenhaus des Seniorenzentrums Haus Elisabeth in Ippendorf.
  • In den fünfziger Jahren wurde das "Städtische Pflegehaus" in der Kölnstraße zu klein, zu unmodern und in jedem Fall erneuerungsbedürftig. Weitere Umbauten wären zu kostspielig geworden und so reifte der Plan, ein ganz neues Alten- und Pflegeheim zu bauen.
  • Das entstand in Ippendorf auf dem Venusberg – ein modernes Haus, den Anforderungen der Zeit entsprechend. Am 13. April 1957 wurde das neue Altenheim für Frauen und Ehepaare eingeweiht. Das Haus trägt den Namen „Haus Elisabeth“ in Erinnerung an die heilige Elisabeth von Thüringen, die große Patronin der Nächstenliebe.
  • Im Haus Elisabeth begann eine neue Ära und heute leben in diesem Haus rund hundert Seniorinnen und Senioren, die dort ihren Lebensabend verbringen.

basierend auf Texten der Stadt Bonn, Seniorenzentren