Neues aus LICHTBLICK Nr. 199
Gemeindebrief der Auferstehungskirchengemeinde Bonn
Als Anfang diesen Jahres Papst Benedikt XVI. seinen Reisemarschällen auftrug, für die ökumenische Begegnung mit der evangelischen Kirche mehr Zeit vorzusehen, machte sich Hoffnung breit: Würde der Papst seinen Aufenthalt in Deutschland nutzen, um die Ökumene einen spürbaren Schritt nach vorn zu bringen?Nach dem Besuch zeigte sich jedoch, dass es nicht die Absicht des Papstes war, einen solchen Schritt zu tun. Es drängt sich im Gegenteil der Gedanke auf, dass die zeitliche Ausdehnung des Treffens mit Repräsentanten der evangelischen Kirche sein einziges Entgegenkommen war und darüber hinweg täuschen sollte, dass er - wie er in seiner Predigt im gemeinsamen Gottesdienst mit der Spitze der EKD in Erfurt sagte, kein "ökumenisches Gastgeschenk" dabei habe.
Sehr deutlich hat auch der Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider, vor der Synode in Magdeburg seine Enttäuschung zu erkennen gegeben, als er feststellte, brennende Fragen des ökumenischen Dialogs seien gar nicht oder nur missverstehend und missverständlich angesprochen worden. Auch seien konkrete Anstöße für die theologische Weiterarbeit in den Fragen des Amts- und des Kirchenverständnisses ausgeblieben. Vor allem habe der vom Papst gebrauchte Begriff "Gastgeschenk" für Irritationen gesorgt. Denn ein solches habe ohnehin niemand erwartet, wohl aber inhaltliche Impulse. In strittigen Fragen wie einem gemeinsamen Abendmahl und dem Umgang mit konfessionsverschiedenen Ehepaaren gab es also keine Annäherung. Auch die Einordnung der evangelischen Kirchen als "kirchenähnliche Einrichtun¬gen" wurde offensichtlich nicht zurückgenommen.
Dennoch kam der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der braunschweigische Landesbischof Weber in seiner Bewertung des Papstbesuches zu der Auffassung, dass er nicht zu einer ökumenischen Belastung geführt habe. Wer ins Kernland der Reformation zu einer zentralen Lutherstätte fahre und dort schweige, nehme Irritationen billigend in Kauf.
Zugleich räumte Weber ein, die evangelische Seite habe vor dem Papstbesuch Schlichtweg unrealistische Erwartungen gehabt. Was bleibt nun übrig? Zunächst wohl als Wichtigstes, dass die Ökumene vor Ort, die gut funktioniert, weiter bestehen wird - und muss. Aber auch mehr Selbst-verständnis sollte die evangelische Seite zeigen. Das meinte wohl auch Nikolaus Schneider, wenn er vor der EKD-Synode dafür plädierte, "die Ökumene der Profile zu einer Ökumene der Gaben fort zu entwickeln". Darunter versteht er, "dass unsere jeweiligen Profile als Ergänzungen und Bereicherungen verstanden werden - und nicht als Abgrenzungen oder Identitätsstärkungen zu Lasten des anderen". (dd)
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